Mittwoch, 24. März 2010

Zwischendurch-Krimi


Nachdem ich schon die ersten sieben Bände von Arne Dahls auf zehn Bände angelegter Reihe (in guter skandinavischer Tradition von Sjöwall/Wahlöö und Mankell)* gelesen hatte, fühlte ich mich verpflichtet, auch das achte Buch um das schwedische A-Team zu lesen. Zum Glück habe ich vom Verlag ein Lese-Exemplar bekommen, denn ich war zunächst skeptisch und überlegte schon, die Reihe nicht mehr zu verfolgen ... 

Das Privatleben der lieb gewonnenen Ermittler bleibt diesmal ein wenig auf der Strecke, die Themen Pädophilie, Internet, Geheimgesellschaften gab es auch schon häufiger, dennoch handelt es sich um einen guten Krimi mit fast perfekt konstruierter Handlung, deren verschiedene Stränge alle zu einem echten Show-Down zusammenlaufen. Im Gegensatz zu Karin Fossums "Wer anders liebt", in dem man sehr in die kranke Gedankenwelt eines Pädophilen eintaucht, ist das Thema Pädophilie (für Mütter) erträglich dargestellt. Die Handlung bietet ein paar unerwartete Wendungen und spannende Aspekte, so dass ich mich am Ende des Buches auf die letzten beiden Teile der Reihe freue und immer noch hoffe, dass aus Kerstin Holm und Paul Hjelm vielleicht doch noch ein Paar wird. 



* Auch Stieg Larsson hatte zehn Bände geplant, ein Jammer, dass er so früh verstarb; ich hoffe, dass das letzte, fast vollendete Manuskript noch veröffentlicht wird, wenn seine Erben ihre Streitereien beendet haben.
Mankell ist allerdings von seinem ursprünglichen Vorhaben abgewichen und hat seine Wallander-Reihe gerade fortgesetzt. 

Montag, 22. März 2010

Vorlesen oder überraschende Erkenntnisse über Enid Blyton



Ich liebe es, meinem Sohn vorzulesen. Wenn er dann sagt: "Mama, dieses Buch ist so wunderbar.", täglich dem abendlichen Vorlesen entgegenfiebert oder sich beim Lesen an mich kuschelt, ist es einfach nur schön. Vor einem guten Jahr haben wir angefangen, ihm "richtige" Bücher vorzulesen, d.h. jeden Abend ein Kapitel einer längeren Geschichte und seitdem ist das schöne Vorlesen ein noch schönerer Abschluss eines jeden Tages. 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihm lieber als seinen Schwestern vorlese. Sie sind erst drei Jahre alt und möchten gern immer wieder die gleichen Bilderbücher vorgelesen bekommen. Ich mag den Grüffelo sehr gern, auch Willi Wibald und Juli lese ich gern, aber nach 30 Wiederholungen reizt mich selbst das Klo-Monster nicht mehr. Zur Zeit lese ich mit ihnen "Ich und meine Schwester Klara" von Dimiter Inkiow, bin ich froh, wenn wir das geschafft haben: die Geschichten sind sowas von unlustig, mein Widerwillen wird von Geschichte zu Geschichte größer und ich verstehe nicht, wie ich das Buch kaufen konnte und warum es den Mädchen gefällt!

Mit dem Fünfjährigen habe ich schon viele tolle Bücher gelesen, zur Zeit sind wir bei "Jim Knopf und die Wilde 13". Michael Ende lässt sich sehr gut vorlesen und die Geschichte um Jim Knopf ist so phantasievoll mit dem Scheinriesen, den Kindern von Mandala, den Drachen und Halbdrachen u.v.m. Ich verstehe, warum mein Sohn davon so gefangen und begeistert ist. Für mich ist die Geschichte auch neu und spannend, da ich als Kind die Augsburger Puppenkiste überhaupt nicht mochte. Ich bin abends fast so gespannt auf die Fortsetzung wie er und würde manchmal am liebsten schon heimlich weiterlesen. Wir haben "Urmel aus dem Eis" gelesen, ein großer Spaß für uns beide, ihm gefiel alles und mir machte es Spaß beim Vorlesen die Stimme zu verstellen, um die Sprachfehler der Tiere besser darzustellen. Ähnlich quietschig verlief das Vorlesen der Sams-Bücher, einfach toll. 

In der extremen Roboter-Phase haben wir "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt" und "Schlupp vom grünen Stern" gelesen. Wir haben Michel gelesen, Pippi Langstrumpf, Jeremy James, "Der kleine Ritter Trenk", "Das kleine Gespenst". Wir haben Bücher von Tove Jansson über die Mumins gelesen, die waren nicht mein Fall. Und dann haben wir "Karlsson vom Dach" gelesen. Oje. Das war ein Buch, bei dem ich mich nach kurzer Zeit geweigert habe. Das musste dann der Papa, auch widerwillig, vorlesen. Dem Jungen gefiel es trotzdem. Aber was kann einem an Karlsson gefallen??? Schon als Kind fand ich Karlsson im Fernsehen "doof", aber da war Karlsson wenigstens ein Junge. Im Buch ist er ein kleiner, dicker Mann, der einen Jungen mit Süßigkeiten lockt, ihn zu Dummheiten überredet und dann noch ständig dem Jungen die Schuld für irgendwelche Untaten in die Schuhe schiebt. Wir Erwachsenen hielten das Vorlesen des Karlsson-Buches für sehr fragwürdig und waren froh, als es endlich geschafft war.


Ganz begeistert haben wir die Wunderweltenbaum-Reihe von Enid Blyton gelesen: "Der Zauberbaum", "Der Wunderweltenbaum" und "Die Wesen vom Wunderweltenbaum". Danach war ich länger auf der Suche nach einem ähnlich phantasievollen Nachfolgebuch und habe zunächst einmal versucht herauszufinden, ob Enid Blyton andere vergleichbare Bücher geschrieben hat, die Frau war schließlich sehr produktiv. Bei dieser Suche bin ich dann auf sehr interessante Sachen gestoßen: Beispielsweise darf der gute Cousin Dick aus dem zweiten Buch der Wunderweltenbaumreihe im englischsprachigen Raum nicht mehr Dick heißen, sondern wurde in den neuen Auflagen zu Rick. Weitere Recherchen ergaben, dass immerhin der Fünf Freunde-Dick (Julian, Dick und Ann, George und Timmy, der Hund) weiterhin Dick heißen darf. Auch Dick Francis und Philip K. Dick werden weiterhin unter diesen Namen aufgelegt.
 
Aber zurück zu Enid Blyton. Von ihr kommt für meinen Sohn vermutlich nur die "Abenteuer"-Reihe infrage, aber noch ist das für den sehr sensiblen Fünfjährigen zu spannend. Die Abenteuer-Reihe wurde laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Enid_Blyton) extra für den deutschsprachigen Raum von einem Ghostwriter fortgesetzt. Spannend. Nun dachte ich früher naiv, dass Bücher, die aus anderen Sprachen ins Deutsche übertragen, übersetzt und nicht umgeschrieben werden. Nun, mit Enid Blytons Büchern wurde in Deutschland so einiges angestellt: sie wurden um- und neu geschrieben, Charaktere umbenannt (Hanni und Nanni Sullivan, die das Internat Lindenhof besuchen, gehen eigentlich in das Internat St. Clare's, kommen aus Irland und heißen Isabell und Patricia O'Sullivan; aus Darrell wurde Dolly und aus Malory Towers Möwenfels) und sogar ganze Bücher und Reihen (z. B. Tina und Tini) wurden von deutschen Autorinnen in Enid Blytons Namen geschrieben. Natürlich war mir bekannt, dass nach Blytons Tod weiterhin Bücher unter ihrem Namen, ihrer Marke, erscheinen, auch klingen Hanni und Nanni nicht wirklich britisch, aber trotzdem ... Skurril ist auch, dass Blyton in ihren Dolly/Malory-Towers und Hanni+Nanni/St. Clare's-Reihen ein paar Schuljahre ausgelassen hat, derer sich in Deutschland Tina Caspari (schon in den 80er Jahren) und in Großbritannien Pamela Cox angenommen haben (letztere immerhin von Enid Blyton autorisiert) und die sie bis ins Erwachsenenalter der ProtagonistInnen fortgesetzt haben. Wenn ich nicht wüsste, wohin mit meiner Zeit, würde ich die deutschen und englischen Nacherzählungen zu gern vergleichen!

Wie gut, dass aus Emil nur ein Michel wurde und ansonsten alles bleiben durfte, wie es sein sollte. 

Und heute freue ich mich darauf zu erfahren, wie es Jim Knopf, Lukas, Molly und Emma im Barbarischen Meer ergehen wird.





Freitag, 12. März 2010

12 von 12 im März

Kurz nach Mitternacht gibt es noch eine Zugabe.

Bester Konzertraum der Welt.


Heimweg.

Fast zu Hause.



Angekommen.



Nur kurze Zeit später: schwarzer Tee zum Wachwerden.



Frühstück.


Nachmittags.



Kinder konstruieren.


Kleine Pfütze im "Garten".


Das sieht harmloser aus als es war, dieses Kind lag im Matsch :)



Der letzte Schnee.

Meine ersten "12 von 12" im Blog. Wer noch mitgemacht hat, ist bei Caro zu sehen.

Don DeLillo: Der Omega-Punkt


Don DeLillo hat mich einmal mehr beeindruckt, er ist so unglaublich klug ... Ich bin sicher, dass ich dieses Werk nicht komplett verstanden habe; die Omega-Punkt-Theorie war mir bisher jedenfalls nicht bekannt und auch der Begriff Paroxysmus gehört nicht zu meinem aktiven Wortschatz.
In der Rahmenhandlung steht ein Mann im MoMA in New York und besucht Tag für Tag stundenlang die Videoinstallation "24 Hour Psycho", in der Hitchcocks "Psycho" in Zeitlupe, auf 24 Stunden Spielzeit verlangsamt, gezeigt wird. Die Schilderung dieses Mannes, seiner Gedanken und Beobachtungen ist phantastisch. DeLillos Stil brillant. In der Haupthandlung besucht ein junger Filmemacher den älteren Gelehrten Elster irgendwo in der Wüste ("südlich von Nirgendwo"). Finley möchte Elster zur Teilnahme an einem Filmprojekt überreden, die beiden reden und reden, Finleys Besuch dehnt sich aus. Dann kommt Elsters Tochter Jessie zu Besuch, eine etwas seltsame junge Frau, die von ihrer Mutter wegen eines Mannes aus New York in die Wüste geschickt wurde. Finley beginnt sich für Jessie zu interessieren und dann geschieht etwas Unfassbares ...
Die Haupt- und Rahmenhandlungen haben wichtige Berührungspunkte, das Ende der Geschichte bleibt offen. Es gibt ein paar Szenen und Beschreibungen, die mich sehr begeistert haben, z.B. die Charakterisierung Jessies und ihrer Sonderlichkeiten.
DeLillo wird schon länger als "heißer" Anwärter für den Nobelpreis für Literatur gehandelt und ich würde mich sehr freuen, wenn er ihn eines Tages bekäme. Verdient hat er ihn schon seit "Unterwelt"!


Mittwoch, 10. März 2010

Wolfram Fleischhauer: Der gestohlene Abend


Kalifornien in den Achtzigern, der deutsche Literaturstudent Matthias kommt dank eines Stipendiums an die Hillcrest-Universität. Ambitioniert wie er ist, möchte er sich nicht mit den für ihn vorgesehenen Anfängerseminaren zufrieden geben, sondern ein Seminar am elitären Institut INAT belegen. 
Matthias verliebt sich in Janine, doch Janine ist mit David zusammen. David ist und hat all das, was Matthias bewundert: er ist ein Ausnahmestudent, Doktorand, Assistent der Professorin Marian am INAT und -natürlich- der Freund von Janine.
Der groß angekündigte Vortrag von David zu Shakespeare bringt die Wende: Davids genialer Vortrag ist einerseits ein voller Erfolg, andererseits ein Affront für Marian und das INAT. Es kommt zum Bruch Davids mit dem INAT, Marian und Janine.
Matthias und Janine werden ein Paar, Matthias wird zu einem Seminar am INAT zugelassen, er scheint seinen Traum zu leben. Dennoch versucht Matthias zu ergründen, warum David diesen skandalösen Vortrag gehalten hat und dieser eine solche Wirkung hatte. Immer wieder nimmt David Kontakt zu Matthias auf, "entführt" ihn sogar zu einem Kurztrip mit Übernachtung, den er als "gestohlenen Abend" bezeichnet. Es kommt zu einem schockierenden Zwischenfall.
Warum hat David so gehandelt? Was ist mit "der gestohlene Abend" gemeint? Was weiß Janine? Matthias' Recherchen decken ein großes Geheimnis auf, das nicht nur Matthias' und Janines Leben verändert, sondern auch das INAT ...

Ein spannender und unterhaltsamer Universitätsroman voller literarischer Anspielungen (Shakespeare, Kleist, DeLillo) und literarischer Theorien. Es kommt nicht ganz an "Das Buch, in dem die Welt verschwand" heran und an einigen Stellen war es mir etwas zu abgehoben, dennoch hat es mich bis zum Ende gefesselt.



Montag, 8. März 2010

Charmant wie sein Vater



Der Fünfjährige beim Frühstück: "Mama, wie viele Tonnen wiegst Du eigentlich?"

"Wie bitte? Was meinst denn Du?"


Er denkt angestrengt nach: "Ich glaube, Du wiegst keine Tonne, sondern weniger."


Zum Glück.


Er kann aber auch ganz anders und bedankte sich schon mal für eine Schatzsuche bei einem Kindergeburtstag mit den Worten: "Geburtstagskindmutter*, ich muss Dir mal was sagen: Das war eine wunderbare Schatzsuche, die Du mit uns gemacht hast!”. 


*Name geändert

Mittwoch, 3. März 2010

Dinosaurierwissen eines Fünfjährigen







Es fing ganz harmlos an: Mama, weißt Du, wer sich am besten wehren kann?

Nein.

Und dann legte er los und ich notierte es:

Salchania ist ein Keulendino wie der Euoplocephalus und Ankylosaurus. Euoplocephalus hat was an sich, er kann seine Keule glatter machen. Alle Keulendinos haben Panzer, das sind so Platten auf dem Rücken, dem Schwanz und dem Kopf.

Styracosaurus kann sehr gefährlich aussehen. Er hat nämlich ein 1m langes Nasenhorn. Und ein Schild, auf dem Hörner drauf stehen.

Wenn diese Saurier angegriffen werden, dann wehren sie sich ganz gefährlich. 

Euoplocephalus und Ankylosaurus und Salchaniasaurus können sich mit üblen Keulenschlägen wehren, womit sie einen umwerfen können oder Knochen brechen können.

Styracosaurus mit seinem 1m langen Nasenhorn kann sich auch gut wehren und damit ganz dolle Wunden machen.

Die gefährlichsten Waffen des Velociraptors sind seine scharfen Krallen. An seinem Schwanz hat er einen gefährlichen Giftstachel.

Der Giganotosaurus ist riesig und auch sehr gefährlich.


Und Spino (Spinosaurus) kann was Gutes mit seinem Segel machen, damit kann er die kalten Echsen, die nicht so warm geworden sind wie er, gut überwältigen.
Warum ist er wärmer als die anderen? (Ich kenne mich schließlich überhaupt nicht aus.)  Weil durch das Rückensegel Blutgefäße sind. Die fangen die Sonnenstrahlen auf mit dem Segel.
Wie wehrt er andere mit dem Segel ab? - Das kann er gar nicht. Er ist selbst ein Fleischfresser und fängt mit Krallen und Zähnen andere Dinosaurier.


Beim Oviraptor ist was ganz Komisches. Er hat den Namen bekommen, weil sein Skelett über einem Nest lag. Aber als man es untersucht hat, hat man gesehen, dass da keine anderen Dinos drin waren, sondern Oviraptorküken. Er isst eigentlich Fleisch.


Weißt Du was Iguanodon hatte? Der konnte als erster Dinosaurier kauen.


Wenn der Hypsilophodon angegriffen wurde, dann flüchtete er.
Und der Plateosaurier war der erste Riesendinosaurier der Erdgeschichte.


Apathosaurus, das war gar nicht zu fassen, er fraß nämlich 500g an einem Tag.  Wirklich? Guckt nach: 500 Kg. Er hat einen viel längeren Schwanz als Diplodocus.


Brachiosaurus kann in elf Metern Höhe noch die Blätter erreichen. 


Der Diplodocus hatte duschwannengroße Fußabdrücke.


Der Nothosaurus konnte schwimmen und gehen wie ein Frosch.


Diese Angaben sind ohne Gewähr! Die Grammatik ist die des Fünfjährigen. Wenn man ihn ließe, würde er den ganzen Tag über Dinosaurier referieren, sich vorlesen lassen und Gedankenspiele zum Thema besprechen wollen. 
Nach zehn Minuten musste ich das Gespräch vorerst beenden, weil die Dreijährigen sich in die Haare bekommen haben ...