Montag, 22. März 2010

Vorlesen oder überraschende Erkenntnisse über Enid Blyton



Ich liebe es, meinem Sohn vorzulesen. Wenn er dann sagt: "Mama, dieses Buch ist so wunderbar.", täglich dem abendlichen Vorlesen entgegenfiebert oder sich beim Lesen an mich kuschelt, ist es einfach nur schön. Vor einem guten Jahr haben wir angefangen, ihm "richtige" Bücher vorzulesen, d.h. jeden Abend ein Kapitel einer längeren Geschichte und seitdem ist das schöne Vorlesen ein noch schönerer Abschluss eines jeden Tages. 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihm lieber als seinen Schwestern vorlese. Sie sind erst drei Jahre alt und möchten gern immer wieder die gleichen Bilderbücher vorgelesen bekommen. Ich mag den Grüffelo sehr gern, auch Willi Wibald und Juli lese ich gern, aber nach 30 Wiederholungen reizt mich selbst das Klo-Monster nicht mehr. Zur Zeit lese ich mit ihnen "Ich und meine Schwester Klara" von Dimiter Inkiow, bin ich froh, wenn wir das geschafft haben: die Geschichten sind sowas von unlustig, mein Widerwillen wird von Geschichte zu Geschichte größer und ich verstehe nicht, wie ich das Buch kaufen konnte und warum es den Mädchen gefällt!

Mit dem Fünfjährigen habe ich schon viele tolle Bücher gelesen, zur Zeit sind wir bei "Jim Knopf und die Wilde 13". Michael Ende lässt sich sehr gut vorlesen und die Geschichte um Jim Knopf ist so phantasievoll mit dem Scheinriesen, den Kindern von Mandala, den Drachen und Halbdrachen u.v.m. Ich verstehe, warum mein Sohn davon so gefangen und begeistert ist. Für mich ist die Geschichte auch neu und spannend, da ich als Kind die Augsburger Puppenkiste überhaupt nicht mochte. Ich bin abends fast so gespannt auf die Fortsetzung wie er und würde manchmal am liebsten schon heimlich weiterlesen. Wir haben "Urmel aus dem Eis" gelesen, ein großer Spaß für uns beide, ihm gefiel alles und mir machte es Spaß beim Vorlesen die Stimme zu verstellen, um die Sprachfehler der Tiere besser darzustellen. Ähnlich quietschig verlief das Vorlesen der Sams-Bücher, einfach toll. 

In der extremen Roboter-Phase haben wir "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt" und "Schlupp vom grünen Stern" gelesen. Wir haben Michel gelesen, Pippi Langstrumpf, Jeremy James, "Der kleine Ritter Trenk", "Das kleine Gespenst". Wir haben Bücher von Tove Jansson über die Mumins gelesen, die waren nicht mein Fall. Und dann haben wir "Karlsson vom Dach" gelesen. Oje. Das war ein Buch, bei dem ich mich nach kurzer Zeit geweigert habe. Das musste dann der Papa, auch widerwillig, vorlesen. Dem Jungen gefiel es trotzdem. Aber was kann einem an Karlsson gefallen??? Schon als Kind fand ich Karlsson im Fernsehen "doof", aber da war Karlsson wenigstens ein Junge. Im Buch ist er ein kleiner, dicker Mann, der einen Jungen mit Süßigkeiten lockt, ihn zu Dummheiten überredet und dann noch ständig dem Jungen die Schuld für irgendwelche Untaten in die Schuhe schiebt. Wir Erwachsenen hielten das Vorlesen des Karlsson-Buches für sehr fragwürdig und waren froh, als es endlich geschafft war.


Ganz begeistert haben wir die Wunderweltenbaum-Reihe von Enid Blyton gelesen: "Der Zauberbaum", "Der Wunderweltenbaum" und "Die Wesen vom Wunderweltenbaum". Danach war ich länger auf der Suche nach einem ähnlich phantasievollen Nachfolgebuch und habe zunächst einmal versucht herauszufinden, ob Enid Blyton andere vergleichbare Bücher geschrieben hat, die Frau war schließlich sehr produktiv. Bei dieser Suche bin ich dann auf sehr interessante Sachen gestoßen: Beispielsweise darf der gute Cousin Dick aus dem zweiten Buch der Wunderweltenbaumreihe im englischsprachigen Raum nicht mehr Dick heißen, sondern wurde in den neuen Auflagen zu Rick. Weitere Recherchen ergaben, dass immerhin der Fünf Freunde-Dick (Julian, Dick und Ann, George und Timmy, der Hund) weiterhin Dick heißen darf. Auch Dick Francis und Philip K. Dick werden weiterhin unter diesen Namen aufgelegt.
 
Aber zurück zu Enid Blyton. Von ihr kommt für meinen Sohn vermutlich nur die "Abenteuer"-Reihe infrage, aber noch ist das für den sehr sensiblen Fünfjährigen zu spannend. Die Abenteuer-Reihe wurde laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Enid_Blyton) extra für den deutschsprachigen Raum von einem Ghostwriter fortgesetzt. Spannend. Nun dachte ich früher naiv, dass Bücher, die aus anderen Sprachen ins Deutsche übertragen, übersetzt und nicht umgeschrieben werden. Nun, mit Enid Blytons Büchern wurde in Deutschland so einiges angestellt: sie wurden um- und neu geschrieben, Charaktere umbenannt (Hanni und Nanni Sullivan, die das Internat Lindenhof besuchen, gehen eigentlich in das Internat St. Clare's, kommen aus Irland und heißen Isabell und Patricia O'Sullivan; aus Darrell wurde Dolly und aus Malory Towers Möwenfels) und sogar ganze Bücher und Reihen (z. B. Tina und Tini) wurden von deutschen Autorinnen in Enid Blytons Namen geschrieben. Natürlich war mir bekannt, dass nach Blytons Tod weiterhin Bücher unter ihrem Namen, ihrer Marke, erscheinen, auch klingen Hanni und Nanni nicht wirklich britisch, aber trotzdem ... Skurril ist auch, dass Blyton in ihren Dolly/Malory-Towers und Hanni+Nanni/St. Clare's-Reihen ein paar Schuljahre ausgelassen hat, derer sich in Deutschland Tina Caspari (schon in den 80er Jahren) und in Großbritannien Pamela Cox angenommen haben (letztere immerhin von Enid Blyton autorisiert) und die sie bis ins Erwachsenenalter der ProtagonistInnen fortgesetzt haben. Wenn ich nicht wüsste, wohin mit meiner Zeit, würde ich die deutschen und englischen Nacherzählungen zu gern vergleichen!

Wie gut, dass aus Emil nur ein Michel wurde und ansonsten alles bleiben durfte, wie es sein sollte. 

Und heute freue ich mich darauf zu erfahren, wie es Jim Knopf, Lukas, Molly und Emma im Barbarischen Meer ergehen wird.





4 Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Ich habe als Kind sehr gerne "Die fünf Freunde" von Enid Blyton gelesen. Leider wurden mir die Bücher etwas durch meine Mutter vermiest, die meinte, dass die Bücher in einem schlechten Stil geschrieben seien. Naja ... eins habe ich mir geschworen: ich werde mir eine Äußerung verkneifen zu den Büchern, die später meine Kinder lesen :-).

Und wieso dürfen die Jungs nicht mehr Dick heißen? Doch nicht etwa wegen der Verwechslungsgefahr mit dem männlichen Geschlechtsteil?

Danke für Deine Tipps. Und übrigens ging es mir genauso mit den Astrid Lindgren Verfilmungen im TV. Die mochte ich als Kind nicht besonders, genauso wenig wie die Augsburger Puppenkiste.

Allerdings haben wir hier inzwischen zwei neue Astrid Lindgren Bücher im Regal stehen, die darauf warten, den Kindern vorgelesen zu werden. Ein Taufgeschenk schwedischer Freunde.

LG
Barbara

Nona hat gesagt…

In diesen Büchern war Enid Blytons Stil erträglich, dennoch fielen geschlechtsspezifische Stereotypen negativ auf ... das wurde von der sehr phantasievollen Geschichte absolut wett gemacht.

Ich hoffe einfach, dass meine Kinder später gern lesen, was, wird mir dann hoffentlich ziemlich egal sein. Ich habe früher auch sehr viel Mist gelesen ...

Ja, Rick wegen dick ... Echt albern.

Astrid Lindgren-Filme und Serien mochte ich immer - bis auf Karlsson. Wenn wir einen Hund hätten, würde der auf jeden Fall Bootsmann heißen (wie der Hund von "Ferien auf Saltkrokan").

Hatte ich eigentlich zur Taufe gratuliert? Falls nicht: Alles Gute noch nachträglich zur Taufe!

Josephine Chaos hat gesagt…

ich habe ja ebenfalls drei (mittlerweile schon etwas ältere) kinder, und eine ähnliche vorlese-laufbahn wie du hinter mir :)
selbstverständlich kenne ich somit auch juli (und das klomonster), alle astrid-lindgren-bücher, der maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den kopf gemacht hat, und so weiter, und so weiter...

mittlerweile sind wir zum glück im "harry potter" und co. vorlesefähigen alter angelangt - ABER (und jetzt komme ich auch endlich mal zum punkt): einen buchtipp wollte ich noch schnell loswerden, eines der besten bücher für kinder um die 5 jahre überhaupt ist meiner meinung nach

Kirsten Boies "Jenny ist meistens schön friedlich!"

vor allem über die abgewandelte "hänsel & gretel"-variante haben wir und die kinder uns wochenlang scheckig gelacht... :)

viele grüße
von
josephine chaos :)

p.s.: karlsson vom dach geht gar nicht. ÜBERHAUPT NICHT! fand ich schon als kind...

Nona hat gesagt…

@ Josephine

Danke für den Buchtipp! Das Buch werde ich mir bei nächster Gelegenheit mal anschauen! Vielleicht ist das was für meine Töchter, die bald vier Jahre alt werden.

Hach, das freut mich, dass ich nicht die einzige bin, die Karlsson hasst!

Liebe Grüße,
Sielja