Fangen wir mal mit dem gerade geschlossenen und besten an:
Das Beenden dieses Buches hat eine Lücke hinterlassen. Dieses Buch hat mich tatsächlich zum Heulen gebracht. Sein Ende bedeutete das Ende seines Erzählers, was mich ungemein rührte, durfte ich doch sein Leben so intensiv mit erleben.
William Boyd hat für "Eines Menschen Herz" die Form eines Tagebuchs gewählt. Genial. Wir begegnen dem 1906 geborenen Logan Mountstuart als Heranwachsendem, begleiten ihn nach Oxford, London, Paris, Nigeria, New York, Spanien. Nehmen teil an seinen Beziehungen, Freundschaften, Begegnungen (Virginia Woolf, Hemingway, Picasso u.v.m.), seiner Freude, Liebe und Trauer. Er arbeitet als Schriftsteller, Spion, Kunsthändler, Journalist, ist wohlhabend, später nagt er am Hungertuch und entwickelt eine Vorliebe für Hundefutter, rappelt sich wieder auf, schlittert trotz seines hohen Alters wieder in ein neues Abenteuer und findet dennoch ein friedliches Ende. Es ist ein ganzes Leben, das hier grandios beschrieben wird. Ich habe Boyd schon vorher für einen ganz großartigen Schriftsteller gehalten, aber mit diesem Buch hat er ein Meisterwerk geschrieben!! Was lese ich nur als nächstes?
Moritz Rinkes erster Roman hat mir sehr gut gefallen. "Der Mann der durch das Jahrhundert fiel" handelt von dem erfolglosen Berliner Galeristen Paul, der zurück in seine Heimat geht, um dort das Haus seiner Kindheit zu retten, das im Moor zu versinken droht. Die Heimat von Paul Wendland-Kück ist die Künstlerkolonie Worpswede. Kaum ist Paul dort angekommen, erhält er die Nachricht, dass sein Großvater, Bildhauer und "Rodin des Nordens", posthum die Auszeichnung "Künstler des Jahrhunderts" erhalten soll. Wie blöd, dass ausgerechnet nun die Sanierungsarbeiten unpassende Skulpturen ans Tageslicht bringen. Paul deckt noch andere Familiengeheimnisse auf, begegnet typischen Worpswedern und hat nicht gerade die beste Zeit seines Lebens.
Für mich war dieses Buch vor allem wegen des regionalen Bezuges sehr interessant, schließlich bin ich selbst in einem ganz ähnlichen Künstlerdorf aufgewachsen, kenne Worpswede, die Gegend, die Leute, die Namen ... Rinke hat das alles sehr gut erfasst und treffend beschrieben und mich dabei sehr gut unterhalten.
Nachdem ich jahrelang einen Bogen um Philippe Djian gemacht habe, hat mich das Erscheinen seiner neuen Reihe (Doggy Bag 1-6) inspiriert, doch mal ein altes Leseexemplar zu lesen. An die Bitte, es nicht vor dem 25.02.2005 zu besprechen habe ich mich vorbildlich gehalten."Reibereien" gefällt mir wieder etwas besser als die Vorgänger, die mir schlicht zu sehr schweinische Altmännerphantasie waren und mich nicht interessierten. Hier wird die Geschichte eines Mannes in Etappen beschrieben, der als 11jähriger verspricht, seine Mutter nie zu verlassen. Natürlich verlässt er sie, bleibt ihr aber sein Leben lang sehr verbunden. Erst am Ende löst sich das Band, dafür fühlt er sich nun verpflichtet, sich um seine Tochter zu kümmern, sein Leben läuft eigentlich immer nebenher.
Gut lesbar, aber ich glaube, mit Djian bin ich wirklich durch.



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