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Dienstag, 6. Juli 2010

Von der Affenschaukel bis zum Abendbrot


Manchmal ist es schon lustig in einer Buchhandlung zu arbeiten. Wir werden oft nach den seltsamsten Dingen und Titeln gefragt, manchmal fällt bei uns der Groschen, manchmal nicht. Ganz oft kam die Frage nach dem Buch "Bis zum Abendbrot", da lächelten wir nur müde und zeigten auf einen der "Bis(s)"-Berge. "Feuchtgebiete" war auch so ein Titel, der zur Kreativität anregte, z.B. Sumpflandschaft, Moorzone etc. Vor kurzem kam die Frage nach dem Buch "Affenschaukel", zum Glück wusste meine Kollegin sofort, dass damit Herta Müllers "Atemschaukel" gemeint war. 

Neben den falschen oder verdrehten Titeln kommt es auch oft zu anderen Missverständnissen. Letzte Woche war eine Frau bei mir, die mich nach einem neuen Duden fragte. Sie würde sich auch sehr für verschiedene Religionen und Glaubensrichtungen interessieren. Ich zeigte ihr also zuerst den aktuellen Rechtschreib-Duden, danach ein Buch zum Thema Weltreligionen. Nein, das sei nicht das Richtige, sie suche eher etwas, in dem auch die Untergruppen der Weltreligionen kurz beschrieben würden. Das gab es früher doch auch, ein Duden, in dem z.B. zu Zeugen Jehovas eine kurze Erklärung stand. An dem Tag war ich wirklich schwer von Begriff, denn ich erläuterte noch einmal, dass in einem Duden die Begriffe nicht genauer erklärt würden, sondern die korrekte Rechtschreibung gezeigt werde. Meinte sie vielleicht ein Lexikon? Ja, genau, das hatte sie doch schließlich von Anfang an gesagt. 

Dann gibt es auch immer wieder KundInnen, die Vorträge halten. Letzte Woche ereiferte sich ein älterer Mann (das sind meistens ältere Männer) zum Thema Politik und die Verschwendungssucht und Unvernunft der SPD ... Grundsätzlich diskutiere ich nicht mit Kunden über Politik oder Glauben, aber er hörte gar nicht mehr auf. Und heute die Kundin, die uns über die Gefährlichkeit von Online-Banking aufklärte.

Interessant sind auch immer wieder Menschen, die sich für Esoterik interessieren. Was die mir so manches Mal erzählen. Die meisten sind harmlos, aber ein junger Mann, der sich sehr für Voodoo interessierte und einen Blick wie Uri Geller hatte, war mir überhaupt nicht geheuer. Eine Kollegin begegnete ihm an der Haltestelle, wurde von ihm mit diesem durchdringenden Blick angeschaut und mit Namen angeredet. Das war ihr auch ein wenig suspekt. 

Heute war ein Kunde im Laden, männlich, Ende 20, mit langer, dicker Strickjacke bekleidet, starrem Blick und einem starken Eigengeruch. Erst nachdem ich ihn freundlich begrüßt hatte, fiel mir seine seltsame Art auf, aber da war's bereits zu spät. Er fragte mich nach einem Buch, das ihm helfen könne, aus einer Bekanntschaft mehr zu machen. Zu diesem Zeitpunkt fiel mir dann sein Geruch nach altem Schweiß und Kettenrauchen auf. Ich hoffte, möglichst schnell das richtige Buch für ihn zu finden. Die Flirt- und Kennenlernbücher waren für ihn natürlich nicht das Richtige, denn er hat bereits eine entfernte Bekannte ... Wir hatten aber auch für seine Frage den perfekten Titel, der nicht nur den ersten Schritt behandelt oder die Frage, wie man eine Partnerschaft erhalten kann, sondern auch seine Frage genau beantwortete, wie es nach dem Kennenlernen weiter geht. Super. Er nahm das Buch (nicht in die Hand, sondern berührte es nur mit seinen (schmuddeligen) Jackenärmeln), schaute es sich erst einmal in Ruhe an und bedankte sich später für die Empfehlung. Ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm dieses Buch helfen kann, oder gibt es tatsächlich Frauen, die derartige "Duftkompositionen" attraktiv finden?